Es ist wieder soweit: Die selbsternannten Hüter der politischen Korrektheit haben zugeschlagen. Diesmal trifft es ausgerechnet Udo Lindenberg, den Panikrocker mit Hut, dessen "Sonderzug nach Pankow" jahrzehntelang unbehelligt durch die deutsche Musiklandschaft rollen durfte. Aber die Zeiten ändern sich, und mit ihnen die Empfindlichkeiten.

Die Stiftung Humboldt Forum, die sich sonst damit beschäftigt, koloniale Raubkunst zu katalogisieren, hat nun beschlossen, dass der "Oberindianer" aus Lindenbergs DDR-Satire verbannt werden muss. Der Begriff sei "diskriminierend und rassistisch", heißt es in der Begründung, worüber die "Bild" berichtete.  Dabei ging es in dem Song nie um indigene Völker, sondern um einen gewissen Erich Honecker, den damaligen Häuptling des real existierenden Sozialismus.

Besonders pikant: Ausgerechnet ein Lied, das die DDR-Diktatur auf die Schippe nahm und damals von der echten Zensur betroffen war, wird nun von der selbstauferlegten Zensur der Gegenwart heimgesucht. Honecker hätte seine helle Freude daran.

Die Ironie der Geschichte wird noch deutlicher, wenn man bedenkt, dass das Humboldt Forum diese linguistische Säuberungsaktion im Rahmen einer Veranstaltung namens "Vielstimmig 2024" durchführt. Offenbar bedeutet Vielstimmigkeit heute, dass man bestimmte Stimmen zum Schweigen bringt.

Während sich die Verantwortlichen vermutlich auf die Schulter klopfen für ihren Beitrag zur Weltverbesserung, stellt sich die Frage: Was kommt als nächstes? Wird aus "Marmor, Stein und Eisen bricht" ein klimaneutrales Lied ohne umweltschädlichen Rohstoffabbau? Müssen wir "99 Luftballons" wegen des CO2-Ausstoßes umschreiben?

Eines ist sicher: Der alte Panikrocker wird's verschmerzen. Er hat schließlich schon ganz andere Zensurversuche überlebt - damals, als sein Sonderzug noch real existierende Grenzen überwinden musste.