Beatrice Egli in ihrer Show - Schlagerrausch Magazin / KI
Es gibt Zufälle, und es gibt Fernsehpolitik. Wenn kurz nach dem Ende von „Immer wieder sonntags“ auch noch die „Beatrice Egli Show“ vorerst gestrichen wird, dann ist das nur noch schwerlich als harmlose Programmänderung zu verkaufen. Dann wirkt es eher wie ein sauber durchgezogener Umbau, bei dem ausgerechnet die Schlagersendungen zur ersten Verfügungsmasse werden. Beatrice Egli spricht von Veränderung, neuen Projekten und einem „vorerst“. Die ARD spricht von Anpassung, jüngeren Zielgruppen und Zukunft. Und am Ende bleibt von der Schlagerbühne vor allem eines: immer weniger.
Offiziell heißt es, Egli wolle sich auf Neues konzentrieren. Das kann man natürlich glauben. Man kann es aber auch in den größeren Zusammenhang stellen, der sich seit Wochen immer klarer abzeichnet: Alles, was im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht in die neue, glattgebügelte Verwertungslogik passt, wird geschoben, verkleinert oder gleich ganz abgeräumt. Erst Stefan Mross, jetzt Beatrice Egli – und wer sich fragt, ob das schon die ganze Liste ist, ist vermutlich naiv genug, noch an Zufall zu glauben.
Denn natürlich klingt das alles freundlich. „Große Dankbarkeit“, „neue Geschichten“, „spannende Projekte“ – das sind die üblichen Worte, mit denen man Abschiede in Wohlfühlrhetorik verpackt. Aber zwischen den Zeilen steht etwas anderes: Die ARD sortiert um. Und zwar nicht zugunsten von mehr Vielfalt, sondern zugunsten eines Programms, das jünger, trendiger und möglichst unauffällig sein soll. Schlager, einst verlässlich, massentauglich und quotenstark, scheint dabei immer öfter wie ein alter Teppich behandelt zu werden, den man diskret zusammenrollt und in den Keller stellt.
Dass Egli ihre Show „vorerst“ nicht mehr machen will, macht die Sache nicht weniger bemerkenswert. Im Gegenteil: Gerade dieses Vage passt perfekt in die aktuelle Fernsehwirklichkeit. Nichts wird mehr einfach beendet, alles wird „neu gedacht“, „fokussiert“, „umgebaut“ oder eben „vorerst pausiert“. Das Ergebnis bleibt trotzdem dasselbe: ein Format weniger, ein Platz weniger, ein weiterer Schritt weg von der Schlagerunterhaltung, die über Jahre noch ganz selbstverständlich ihren Raum hatte.
Und genau hier beginnt die eigentliche Ironie. Denn während man dem Publikum erklärt, man müsse sich wandeln, klingt es für viele längst nach Entsorgung mit freundlicher Miene. Die ARD spricht gern von Modernisierung, meint aber oft nur Reduktion. Aus Erfolgsformaten werden Altlasten, aus Publikumslieblingen werden Programmkosten, aus Schlagershows werden Problemfälle. Wer da nicht an System denkt, will vielleicht einfach nicht sehen, wie konsequent hier umgebaut wird.
Bleibt die Frage, ob man sich in dieser Logik bald auch bei anderen Namen nicht mehr wundern müsste. Ein Giovanni Zarrella etwa – warum sollte der nicht eines Tages ebenfalls mit einem hübschen Satz aus dem Showgeschäft aussteigen wollen, natürlich aus „persönlichen Gründen“, „neuen Herausforderungen“ oder irgendeinem anderen fadenscheinigen Etikett, das nach außen nach Freiheit klingt und innen nach Programmverschiebung riecht? Man weiß es nicht. Aber wenn die ARD weiter so vorsichtig, aber zielstrebig an ihren Schlagersäulen sägt, wird genau so ein Rückzug irgendwann nur noch wie der nächste logische Akt wirken.
Am Ende bleibt der Eindruck einer Fernsehlandschaft, in der man Schlager nicht mehr wirklich will, aber auch noch nicht offen zugeben mag, dass man ihn gerade Stück für Stück demontiert. Also spricht man von Pausen, Entwicklungen und neuen Wegen. Und das Publikum soll bitte freundlich nicken, während die nächste beliebte Sendung schon leise vom Plan verschwindet.
In diesem Sinne: erst das Ritual, dann die Räumung, dann die Beschwichtigung. Und genau das ist das Problem.
Liebe Grüße, bleibt kritisch - und vor allem, bleibt schlagerrauschig Euer Andi / Schlagerrausch Magazin

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