Stefan Mross - Schlagerrausch Magazin / KI
Es gibt Sätze, die klingen, als hätte man sie in einem Konferenzraum zwischen Budgetplanung und Krisenkommunikation fein säuberlich glattgebügelt. „Positiv dabeibleiben“ gehört eindeutig dazu. Stefan Mross sagt diesen Satz nun, nachdem der SWR das Aus von „Immer wieder sonntags“ nach der Saison 2026 verkündet hat. Und plötzlich soll alles ganz besonnen, ganz dankbar und möglichst unaufgeregt wirken. Als würde sich ein Fernsehritual von 30 Jahren einfach höflich verabschieden, nachdem jemand im Hintergrund den Stecker gezogen hat.
Die GALA meldet, Mross habe sich erstmals zum Show-Aus geäußert – und zwar erstaunlich gefasst. Kein großer Ausbruch, kein Sender-Bashing, kein dramatischer Abgang mit Tränen und Tabletts voller Vergangenheit. Stattdessen: Dankbarkeit, Optimismus, Durchhalteparole. Das klingt nett. Aber auch ein bisschen so, als müsse man die eigene mediale Entsorgung bitte noch sympathisch verpacken, damit es niemandem den Sonntagnachmittag verdirbt.
Erfolgreich, beliebt, teuer – also weg
Genau hier trifft der neue Bericht auf das, was wir schon in unserem Artikel über den „Kulturfriedhof der öffentlich-Rechtlichen“ beschrieben haben: Die Absurdität, dass eine Sendung nicht wegen Misserfolgs verschwindet, sondern gerade trotz Erfolgs. „Immer wieder sonntags“ war kein Problemfall. Die Show lief. Sie funktionierte. Sie erreichte Millionen. Sie hatte ein Publikum, das blieb. Und genau das scheint in der Logik mancher Sender offenbar das eigentliche Vergehen zu sein.
Nicht schlecht genug für die Schublade. Aber leider auch nicht jung genug für die PowerPoint-Präsentation.
Der SWR verweist auf Sparzwang und Neuausrichtung, auf Budgets und jüngere Zielgruppen, auf digitale Formate und Zukunft. Das klingt modern, ist aber im Kern nur ein anderer Name für das alte Prinzip: Was verlässlich funktioniert, gilt plötzlich als entbehrlich, sobald es nicht mehr in die gewünschte Strategie passt. Tradition wird dann gern als Last umetikettiert. Und aus Publikumstreue wird ein Kostenfaktor.
Mross hält die Fassung – der Sender die Distanz
Bemerkenswert an Mross’ Reaktion ist vor allem die Ruhe. Er sagt, er habe eine tolle Zeit gehabt und es gebe ja noch 13 Sendungen vor ihm. Kein Jammern, kein Nachtreten. Eher das Gegenteil: Er kündigt an, die finale Staffel noch einmal mit voller Energie zu spielen. Das ist professionell. Fast schon vorbildlich. Aber es offenbart auch, wie sehr die Verantwortung inzwischen bei denen landet, die das Format auf der Bühne tragen – während die Institution sich längst elegant aus der Affäre gezogen hat.
Die GALA zitiert ihn außerdem mit dem Hinweis, die Sendung sei von den Quoten her eine der erfolgreichsten im Marktanteil gewesen. Genau das macht die Sache ja so grotesk. Wenn Erfolg nicht mehr genügt, was genau soll dann eigentlich noch genügen? Offenbar reicht es heute, dass ein Format ordentlich funktioniert – und schon wird es als zu alt, zu teuer oder zu wenig zukunftsfit aussortiert. Das ist keine Reform. Das ist Kulturverwaltung mit Abrissbirne.
Ein letztes Mal Vollgas, bitte lächeln
Natürlich wird es jetzt noch eine letzte Staffel geben. Natürlich werden noch einmal Gäste kommen, Hymnen gesungen, Blumen verteilt und Sonntage gepflegt. Natürlich wird man von „schönen Erinnerungen“ sprechen. Und natürlich wird am Ende alles in die vertraute Fernseh-Rhetorik gegossen: ein würdevoller Abschied, ein bisschen Wehmut, ein bisschen Dankbarkeit, ein bisschen Zukunft.
Aber genau darin liegt die bittere Ironie: Die Institution, die jahrzehntelang von Verlässlichkeit lebte, verabschiedet sich ausgerechnet von dem, was verlässlich war. Nicht, weil es versagte. Sondern weil es zu gut funktionierte, um in die neue Logik zu passen.
So wird aus einer Kultsendung ein Sparopfer, aus einem Sonntagstermin ein Verwaltungsvorgang, aus einem Publikumserfolg ein Problem mit Datum. Und am Ende steht der altbekannte Satz, mit dem man in solchen Fällen alles abschließt und nichts erklärt: Man müsse eben weiterdenken.
Fazit: Die Zukunft darf jung sein – das Publikum offenbar nicht
Stefan Mross zeigt sich also positiv, gefasst und kämpferisch. Das ist menschlich stark. Der Sender hingegen bleibt seiner Linie treu: rationalisieren, umdeuten, abmoderieren. Und das Publikum? Soll bitte verstehen, dass ein erfolgreiches Format heute nicht mehr automatisch einen Platz in der Zukunft hat.
Willkommen in einer Fernsehwelt, in der Erfolg kein Argument mehr ist, sondern bestenfalls ein nostalgischer Nebeneffekt. Oder, zugespitzt gesagt: Die Show läuft noch – aber die Begründung für ihr Ende ist schon längst geschrieben.
In diesem Sinne, bleibt trozdem positiv - und bleibt schlagerrauschig Euer Andi / Schlagerrausch Magazin

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