Alles nur RTL-Show? Bild: Schlagerrausch Magazin / KI
Es war der Moment, auf den Dieter Bohlen 16 Jahre lang gewartet hat – vielleicht sogar länger als Menowin selbst. Mit satten 56,52 % der Stimmen fegte der Mann mit der Soul-Stimme seine Konkurrentin Constance Dizendorf (30,30 %) gnadenlos vom Platz. Ein Märchen, wie es nur das Fernsehen schreiben kann? Vielleicht. Aber wenn man dem Wuppertaler Andreas Lerch glaubt, dann war dieses Drehbuch schon längst in Gold gebunden, bevor Menowin überhaupt die erste Note von „Mercy on me“ ins Mikrofon gehaucht hat.
Lerch packt aus: „Die Calls zählen nicht!“
Unter einem Post von Uwe Hübner ließ Lerch die Bombe platzen und versenkte die Hoffnung auf basisdemokratisches Fernsehen im Rhein-Herne-Kanal. Sein Vorwurf ist so alt wie brisant: Die Anrufe dienen angeblich nur dazu, den Fans das letzte Kleingeld aus der Tasche zu ziehen. „Die Gewinner werden von der Redaktion und Produktion und den Produzenten festgelegt“, wettert er in Richtung Köln-Ossendorf. Besonders pikant: Lerch spricht Hübner direkt an und erinnert ihn an dessen eigene TV-Vergangenheit: „Du weißt doch, wie der Hase läuft.“! Und wie läuft er der Hase?
Wer ist Andreas Lerch? Ein Insider-Check
Nach meiner tiefergehenden Recherche steht fest: Dieser Mann ist kein gewöhnlicher Internet-Kommentator. Andreas Lerch ist ein waschechter Branchen-Kenner, der über Jahre hinweg direkt im Maschinenraum der deutschen TV-Unterhaltung gearbeitet hat. Er ist ein Insider, der die Skripte und die eiskalte Logik hinter den Kulissen von Großproduktionen wie DSDS aus erster Hand kennt. Ob Stage-Management oder Produktions-Logistik – Lerch saß oft dort, wo die Regie-Anweisungen über Funk kommen und wo man bereits Stunden vor der Live-Show weiß, wer am Ende im goldenen Konfetti-Regen stehen soll. Wenn er also Uwe Hübner mit den Worten „Du weißt doch, wie der Hase läuft“ anspricht, dann ist das kein Fan-Gerede, sondern ein kollegialer Schlagabtausch unter Profis, die beide wissen, dass im Privatfernsehen nichts dem Zufall überlassen wird.
Uwe Hübner: Das Gewissen der Branche als Schiedsrichter
Auf der anderen Seite steht Uwe Hübner. Wer diesen Namen nicht kennt, hat den deutschen Schlager der 90er schlichtweg verschlafen. Von 1990 bis 2001 war er das Gesicht der legendären ZDF-Hitparade. Seit 2008 ist er als Gründer der „dj-hitparade“ das wohl wichtigste Bindeglied zwischen Künstlern, DJs und Fans. Hübner steht für Transparenz, für echtes Handwerk und Leidenschaft. Dass Lerch ausgerechnet IHN zum „Mitwisser“ macht, ist ein genialer, wenn auch gefährlicher Schachzug. Hübner tut das, was ein Profi tut: Er stellt die steile These zur Diskussion und fragt seine Community: „Was denkt ihr?“.... Und was denke ich als Herausgeber von Schlagerrausch Magazin jetzt?
Was wäre, wenn...? Meine Analyse
Spielen wir das Spiel der Marionetten mal mit: Was wäre, wenn Menowins Sieg wirklich im Hinterzimmer beschlossen wurde? Aus Marketingsicht wäre es ein Geniestreich. Menowin ist die „Story“, die Klicks und Tränen liefert. Ein 38-jähriger Ex-Häftling, der eigentlich nur seine Tochter zum Casting begleiten wollte und dann von Bohlen persönlich „reaktiviert“ wurde – das verkauft sich besser als jede saubere Newcomer-Biografie.
Und mal unter uns Klosterschwestern: Für mich persönlich sieht das Ganze auch verdammt nach Drehbuch aus. Ein Indiz? Die Reaktion von Menowins Tochter Jiepen beim Casting. Sie wirkte für meinen Geschmack deutlich zu abgeklärt und gefasst, als der Herr Papa urplötzlich und völlig „überraschend“ selbst ans Mikrofon vergattert wurde. War die Familien-Sensation etwa schon bei der Anreise im Kasten?
Aber – und hier kommt das große Aber: Dass RTL auch noch die Zuschauervotings unter den Tisch fallen lässt, weil der "Gewinner" eh schon den Vertrag im Sack hat, dass scheint mir dann doch gewagt. Wenn RTL wirklich die totale Kontrolle über alles hätte, warum verschwinden dann so viele „Superstars“ schneller in der Versenkung als eine Billig-CD im Grabbeltisch? Wär die Produktion wirklich allmächtig, hätten wir längst eine Armee von Pop-Klonen, die die Charts dauerhaft dominieren.
Vielleicht ist die Wahrheit viel banaler: RTL lenkt uns mit der Regie-Peitsche in eine emotionale Ecke, aber den Hörer in die Hand nehmen müssen die Fans dann doch selbst.
Schlagerrausch Fazit: Andreas Lerch spricht das aus, was viele frustrierte Fans nach jeder Entscheidung denken: „Das ist doch alles geschoben!“ In Kombination mit Menowins Sieg, der ohnehin nach einer „Bohlen-Inszenierung“ schmeckte, ist das journalistischer Zündstoff pur. Ob die Anrufe wirklich wertlos sind? Das wissen vermutlich nur die Techniker im Schaltraum. Aber eines ist sicher: Solange wir uns darüber die Köpfe heißreden, hat RTL bereits gewonnen. Denn Aufmerksamkeit ist im TV-Zirkus die einzige Währung, die am Ende wirklich zählt.
Das Licht geht aus, wir gehn nach Haus'... und die Zweifel bleiben – jedoch bleibt mir treu und schlagerrauschig! Euer Andi / Schlagerrausch Magazin

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